#1: Hier geht es zur eigenen Praxis – rechtlicher Kompass für Ärzte und Zahnärzte
Shownotes
Herzlich willkommen! Die bundesweit vertretenen Fachanwältinnen, Fachanwälte und Notare von HFBP begrüßen Sie zum ersten Mal zum neuen Podcast „Sprechstunde Medizinrecht – gemeinsam.alles.erreichen“. Und genau darum geht es: klare, fundierte Informationen zu häufigen rechtlichen Fragen, die Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Führungskräfte im medizinischen Bereich betreffen. https://hfbp.de/medizinrecht
In Folge 1 sprechen Dr. Mareike Bechtler, Fachanwältin für Medizinrecht und Wirtschaftsmediatorin in Hannover, sowie Dr. Robert Schenk, Fachanwalt für Medizinrecht und Notar in Gießen, über die Herausforderungen und Chancen bei Niederlassungen im medizinischen Bereich. Sie nehmen das Thema Praxisgründungen, die verschiedenen Modelle und Optionen, die Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit sowie zentrale rechtliche und finanzielle Aspekte, die bei der Übernahme oder Neugründung einer Praxis zu beachten sind, in den Blickpunkt – sowohl für Einzelgründungen als auch Gemeinschaftspraxen. Darüber hinaus geben sie wertvolle Tipps zur Praxissuche und zur Rolle von Steuerberaterinnen und Steuerberatern sowie Notarinnen und Notaren.
Folgende Fragen stehen im Fokus:
- Lohnt es sich heute überhaupt, als Ärztin/Arzt, Zahnärztin/Zahnarzt eine eigene Praxis zu eröffnen?
- Welche rechtlichen Fragen und Hürden gibt es bei der Zulassung?
- Ist die Wahl des Standorts entscheidend für den Erfolg, und wie findet man überhaupt eine geeignete Praxis?
- Was spricht dafür, sich alleine oder doch besser zusammen mit Kolleginnen/Kollegen selbstständig zu machen?
- Wie sieht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
- Welche Soft Skills sind bei der Praxissuche von Bedeutung?
- Wie viel Zeit sollte für eine Existenzgründung insgesamt eingeplant werden?
- Welche rechtlichen Absicherungen sind beim Kauf einer Praxis unerlässlich?
- Wer kann mich noch unterstützen?
Vielen Dank fürs Zuhören!
Thema der nächsten Folge: MVZ – Medizinische Versorgungszentren
Sie möchten keine der wichtigen, aktuellen Rechtsinformationen verpassen? Dann abonnieren Sie gerne diesen Podcast und teilen Sie ihn mit interessierten Kolleginnen und Kollegen, Partnerinnen und Partner sowie Mitarbeitenden.
Sie haben konkrete Fragen zum Medizinrecht in der Praxis oder Themenwünsche für eine der nächsten Folgen, dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an: podcast@hfbp.de
Hosts: Dr. Mareike Bechtler – Fachanwältin für Medizinrecht und Wirtschaftsmediatorin Dr. Oliver Bechtler – Fachanwalt für Medizinrecht Dr. Karin Hahne – Fachanwältin für Medizinrecht Dr. Robert Schenk – Fachanwalt für Medizinrecht und Notar
Sprechstunde Medizinrecht – gemeinsam.alles.erreichen ist ein Podcast der HFBP Rechtsanwälte und Notare: https://hfbp.de/medizinrecht
Dieser Podcast ist eine Produktion von STUDIO VENEZIA – the podcast company: https://www.studiovenezia.de/
Transkript anzeigen
00:00:03: Sprechstunde Medizinrecht, der Podcast von HFBP Rechtsanwälte und Notare für Medizinrecht aus der Praxis.
00:00:10: Wir sprechen über aktuelle Entwicklungen, rechtliche und tatsächliche Herausforderungen sowie praktische Lösungen im Gesundheitswesen.
00:00:18: Ob
00:00:19: Arzt und Zahnarztpraxen, medizinische Versorgungszentren, Krankenhäuser oder Kommunen.
00:00:24: Wir geben Orientierung und teilen Wissen, dass sie weiterbringt.
00:00:29: Klar, fundiert und immer mit dem Ziel gemeinsam alles erreichen.
00:00:39: Wir sind die Kanzlei HFWP Rechtsanwält und Notaren.
00:00:42: Eine bundesweit tätige Kanzlei für Medizinrecht.
00:00:45: Und wir starten heute mit der ersten Folge unseres Podcasts, Sprechstunde Medizinrecht, der Podcast von HFWP.
00:00:53: In dessen Rahmen möchten wir euch und ihnen gemeinsam mit zwei unserer Mitgesellschaft interessanten Themen rund um das Thema Medizinrecht kurz und kompakt näher bringen.
00:01:03: Das bist insbesondere du, Marike, Dr.
00:01:05: Marike Bechtler, Herr Rechtsanwältin und Pfarranwältin für Medizinrecht sowie Wirtschaftsmediatorin und du leitest und hast etabliert den Standort in Hannover vor circa zehn Jahren.
00:01:17: Und du, lieber Robert, Dr.
00:01:18: Robert Schenk, Notar, Rechtsanwalt und Pfarranwalt für Medizinrecht und du bist an unserem Standort in Gießen tätig.
00:01:25: Und wir sind beide Gesellschaften der Kanzlei HFBP, Rechtsanwälte und Notare.
00:01:30: Und unsere erste Folge widmet sich einem echten Meilenstein der Existenzgründung von Ärztinnen und Zahnärztinnen.
00:01:37: Genau, und bevor wir gleich in medias Rees einsteigen, möchte ich dir lieber Robert eine Frage stellen.
00:01:43: Du bist ja selbst seit einem knappen dreiviertel Jahr Gesellschafta bei uns in der Kanzlei und hast von der Anstellung in die Selbstständigkeit gewechselt.
00:01:53: Erzähl mal, welche Bewegründe hattest du?
00:01:56: Ich war ja circa acht Jahre sehr gern auch angestellter Rechtsanwalt, weil ich da gewisse Freiheiten hatte.
00:02:03: Gleichwohl, das hat sich im Laufe des Referendariats herauskristallisiert, ist es mir wichtig, selbst die Spielräume zu haben, zu entscheiden, was möchte ich anwaltlich für Leistung erbringen, wie möchte ich sie erbringen und insbesondere... Das hat dem familiären Kontext geschuldet, wann möchte ich meine anwaltliche Tätigkeit ausüben?
00:02:32: Und zugleich ist es mir wichtig, strategisch den Aufbau und die Fortentwicklung eines Unternehmens und der Kanzlei mitgestalten zu können.
00:02:42: Und deswegen habe ich mich für den Schritt in die Selbstständigkeit entschieden.
00:02:47: Und das ist eigentlich schon die perfekte Überleitung zu unserem Thema.
00:02:51: die Planung der Niederlassung.
00:02:53: Vorweggeschieben möchten wir eine kurze Information.
00:02:58: Wir werden zukünftig der Einfachheit halber von Ärztinnen sprechen.
00:03:03: Damit sind sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeint.
00:03:09: Wenn es rechtlich bedingt irgendwelche Besonderheiten geben würde für die Zahnärztinnen und Zahnärzte, würden wir das nochmal konkret erwähnen.
00:03:19: Robert, lass uns starten.
00:03:20: Gerne.
00:03:21: Mareike, du bist Expertin bei uns, die Ärztinnen und Ärzte auf dem Weg in die Niederlassung und die Selbstständigkeit begleiten.
00:03:32: Einer der ersten Fragen, die ich häufig gestellt bekomme in Seminaren oder in Beratungsgesprächen, ist die Frage, sag mal, lohnt sich die Niederlassung heute eigentlich noch?
00:03:43: Wie siehst du das?
00:03:44: Die Frage kann ich mit einem ganz klaren Ja beantworten aus verschiedenen Aspekten.
00:03:50: Einen der Aspekte, vielleicht den wichtigsten hast du schon gerade selbst erwähnt und zwar der Umstand mitzurischte Alten.
00:03:57: Selbst zu entscheiden, mit wem man zusammenarbeitet, wie die Strategie des eigenen Unternehmens, der eigenen Praxis aussieht.
00:04:05: Bei Ärzten kommt noch dazu, frei zu entscheiden, wann man arbeitet.
00:04:10: Das heißt vor allem keine Dienste machen zu müssen.
00:04:14: Und da komme ich gleich nochmal gesondert drauf zu sprechen.
00:04:17: eben auch die Familie vielleicht gut vereinbaren zu können besser als möglicherweise in einer stationären Tätigkeit im Krankenhaus.
00:04:26: Und der zweite Aspekt, der tatsächlich insbesondere immer noch zu wenig berücksichtigt wird, ist die Tatsache, dass erfahrungsgemäß in der Selbstständigkeit immer noch merklich mehr verdient würde als in der Anstellung.
00:04:43: Das heißt auch wirtschaftlich.
00:04:46: merken wir, dass der Schritt in die Selbstständigkeit eine gute Entscheidung ist.
00:04:53: Ich würde gerne aber noch einmal zurückkommen.
00:04:56: Du hast es selbst gerade schon angedeutet auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
00:05:03: Robert Max, du dazu nochmal kurz was erzählen.
00:05:06: Ja, gerne.
00:05:07: Kann ich, wenn du mich so direkt fragst, ich bin ja selbst jetzt das dritte Mal vor kurzem Papa geworden, Familienvater.
00:05:14: Meine Frau arbeitet im Krankenhaus, hat vierundzwanzig Stundendienste zu absolvieren.
00:05:20: Das ist immer nicht die leichteste Herausforderung, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.
00:05:26: Aber tatsächlich ist es so, wie ich auch eingangs schon gesagt habe, dass die Selbstständigkeit tatsächlich deutlich den Mehrwert mit sich bringt, selbst über die Zeit zu entscheiden.
00:05:36: Also insbesondere, wann ich anwaltlich tätig bin und das ist ein nichtzu unterschätzender.
00:05:43: Schätzen da mehr Wert.
00:05:44: Und ich kann auch das, was du gerade schon so ausgeführt hast, gut nachvollziehen.
00:05:50: Insbesondere auch, ich sage mal, das den finanziellen Aspekt.
00:05:53: Wenn man sich einmal die vorhandenen Studien dazu anschaut, beispielsweise, das empfehlen wir immer einen Blick in das ZI-Praxispanel.
00:06:06: Es gibt ein Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung.
00:06:09: Und das Institut beschäftigt sich damit.
00:06:12: Wie viel Honorar erwirtschaftet der durchschnittliche Arzt in Deutschland?
00:06:19: Mit wie vielen Kosten ist der Betrieb einer Praxis durchschnittlich verbunden?
00:06:24: Und welche Gewinne kann man im Ergebnis erwirtschaften?
00:06:28: Das ist natürlich eine Querschnittsbetrachtung.
00:06:31: Da wird es viele Einzelfälle geben, die werden deutlich drüber liegen.
00:06:34: Es wird aber auch viele oder einige Fälle geben, die unter diesen Zahlen liegen.
00:06:38: Gleichwohl Und das wird daraus deutlich, wenn man sich das damit einmal befasst, der Weg in die Niederlassung lohnt sich definitiv finanziell noch.
00:06:49: Klar ist es auch so, das kann man diesen Zahlen entnehmen, dass die Kosten zunehmend steigen, insbesondere die Personalkosten und auch die Raumkosten.
00:06:58: Aber gleichwohl auch das, was unter dem Strich übrig bleibt, steigt sowas jedenfalls in der Vergangenheit, insbesondere auch zur Corona-Zeit stetig.
00:07:10: Was ich vielleicht an der Stelle auch noch mal so einen kleinen Tipp mit auf den Weg geben möchte ist, dass wir gerne empfehlen im Kassenärztlichen Bereich, die KV veröffentlicht regelmäßig sogenannte Quartalsstatistiken.
00:07:25: Und aus diesen Quartalsstatistiken kann man je nach entsprechenden Fachbereich herauslesen, wie viel Honorare erwirtschaftet der Vertragsarzt auf seinem Fachgebiet.
00:07:38: pro Quartal.
00:07:40: Und das ist eine ganz gute Größe und sind ganz gute Aufarbeitungen, um gefühlende Ziffer bekommen, was man jedenfalls im vertragsärztlichen Bereich an Honorar durchschnittlich im jeweiligen Fachbereich erwirtschaften kann.
00:07:54: Und berücksichtigen muss man natürlich noch, dass da nicht die Kosten mit enthalten sind, sondern geht es wirklich nur um die Honorar Umsätze.
00:08:01: Gleichwohl, was da natürlich nicht mit drin ist, sind die Honorare.
00:08:05: die im privat ärztlichen Bereich noch zusätzlich erwirtschaftet werden können.
00:08:10: Jetzt haben wir diesen Punkt sozusagen einmal thematisiert, lohnt sich die Niederlassung heute eigentlich noch?
00:08:16: und da können wir, glaube ich, ganz gut zusammenfassen und das mit einem Klarnjahr beantworten.
00:08:21: Mareike, jetzt könnte man ja die Frage stellen, was bedeutet es eigentlich, in die Niederlassung und in die Existenzgründung zu gehen im ärztlichen und zernärztlichen Bereich und insbesondere Auf welche Art und Weise kann ich das eigentlich bemerkstelligen?
00:08:38: Ja, Niederlassung bedeutet zunächst, dass ich eine eigene Praxis im ambulanten Bereich eröffne.
00:08:47: Und das geht tatsächlich in verschiedenen Modellen.
00:08:50: Und zwar kann ich das alleine oder mit Partnern zusammentun.
00:08:55: Den klassischen Fall, den jeder, der sich mit dieser Thematik schon mal beschäftigt hat, ist die einzige Praxis.
00:09:02: Und dann gibt es daneben noch die Gemeinschaftspraxis.
00:09:06: Und jetzt würde ich gerne gleich einmal kurz eine Begrifflichkeit klären.
00:09:10: Gemeinschaftspraxis, Berufsausübungsgemeinschaft und BAG meint alles dasselbe.
00:09:15: Früher stand der Begriff Gemeinschaftspraxis im Gesetz.
00:09:18: Heute steht Berufsausübungsgemeinschaft.
00:09:21: Wir Medizinrechtler sagen immer BAG.
00:09:24: Und der Einfachheit halber spreche ich jetzt über die Gemeinschaftspraxis, weil es so schön das wieder gibt, was es am Ende ist.
00:09:30: Dann gibt es das medizinische Versorgungszentrum, das MVZ, abgekürzt und die Praxisgemeinschaft.
00:09:37: Ich gebe euch einen ganz kleinen Spoiler schon mal.
00:09:41: Das MVZ werden wir heute nicht betrachten.
00:09:44: Das wird zukünftig noch ganz ausführlich passieren.
00:09:49: Und deswegen möchte ich kurz etwas erzählen über die Einzelpraxis.
00:09:52: Das bedeutet... Ein Arzt lässt sich nieder in eigener Praxis und rechnet für sich alleine ab.
00:10:00: Also er bringt die Leistungen in seiner Praxis alleine mit seinen angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, möglicherweise auch mit einem angestellten Arzt, aber er ist alleine selbstständig.
00:10:16: Und daneben steht die Gemeinschaftspraxis.
00:10:20: Dort machen sich mindestens zwei Ärzte gerne auch mehr, gemeinsam, selbstständig und teilen wohl und wehe.
00:10:31: Das heißt, sie haften gemeinsam, sie rechnen gemeinsam ab, sie schließen die Behandlungsverträge mit dem Patienten gemeinsam ab.
00:10:39: Das heißt, sie arbeiten wirklich zusammen, nutzen Synergieeffekte, vertreten sich gegenseitig, müssen sich aber auch miteinander abstimmen.
00:10:48: Und die dritte Variante, die ich gerade abgesprochen habe, ist die Praxisgemeinschaft.
00:10:53: Das ist am Ende nur eine Kostengemeinschaft, eine Organisationsgemeinschaft von mehreren Ärzten, mindestens zwei, die aber wiederum in Einzelpraxis niedergelassen sind und selbst abrechnen.
00:11:06: Die teilen sich, kosten jeder, arbeitet aber komplett für sich.
00:11:11: Und das sind quasi die häufigsten Modelle, mit denen wir zu tun haben.
00:11:17: Jetzt ist es aber so, Robert, dass man ganz oft ja auch etwas hört von GKV und PKV Versicherten.
00:11:24: Magst du vielleicht mal erzählen, was da der Unterschied ist und welche Varianten wir da haben?
00:11:29: Klar, gerne.
00:11:31: Du hast es angesprochen.
00:11:32: Es gibt sogenannte Kassenarztpraxen und Privatpraxen.
00:11:36: Das ist, glaube ich, so den meisten noch geläufig.
00:11:40: Man muss sich einmal vor Augen halten.
00:11:43: dass der Großteil der Bevölkerung gesetzlich versichert ist und nur der geringere oder deutlich geringere Teil der Bevölkerung privat versichert ist.
00:11:53: Das heißt wiederum, wenn ich mich mit dem Thema Niederlassung beschäftige, ist es in der Regel sinnvoll und auch wichtig, dass ich meine ärztlichen Leistungen gegenüber gesetzlich versicherten Patienten erbringen kann.
00:12:06: Das kann ich aber nicht einfach so, sondern ich brauche dafür einen sogenannten Versorgungsauftrag oder auch Zulassung und Kassensitz genannt, der also sozusagen die Eintrittskarte ist, damit ich GKV Versicherte behandeln kann.
00:12:24: Jetzt ist die Frage, wie kriege ich eigentlich so einen Kassensitz?
00:12:28: Zuständig dafür sind jeweiligen Zulassungsausschüsse bei den Kassenärztlichen Vereinigungen und das ist ein... nicht unkompliziertes Prozedere, und zwar ist es so, dass es eine sogenannte Bedarfsplanung gibt.
00:12:48: Die Bedarfsplanung bedeutet, dass jede Versorgungsregion in einem Planungsbereich unterteilt wird, um sozusagen zu prüfen, das machen die jeweiligen KV, wie viele Versorgungsaufträge, also wie viele Zulassungen benötige ich, um die Patienten gesetzlich versicherten Patienten zu versorgen.
00:13:11: Das heißt, es gibt auch irgendwo ein Deckel.
00:13:14: Ja, und häufig spricht man dann von einer sogenannten Überversorgung, auch wenn es möglicherweise nicht unbedingt dem tatsächlichen oder der tatsächlichen Wahrnehmung entspricht, dass es eine Überversorgung gibt.
00:13:23: Tatsächlich ist es jedoch so, dass die meisten Planungsbereiche überversorgt sind.
00:13:29: Das bedeutet, dass ich nicht einfach zur KV oder zum Zulassungsausschuss gehen kann und sagen kann, okay, ich möchte mich niederlassen.
00:13:36: Ich hätte jetzt gerne einen Versorgungsauftrag oder eine Zulassung, sondern ich kann immer nur dann einen Versorgungsauftrag oder eine Zulassung erhalten, wenn es tatsächlich einen freien Versorgungsauftrag gibt.
00:13:48: Und den gibt es tatsächlich leider nur sehr selten.
00:13:52: Mittlerweile, je ländlicher es wird, das zu eher gibt es auch noch freie Sitze, die sozusagen auf den Markt geworfen werden oder die verfügbar sind.
00:14:00: Das ist aber tatsächlich die Ausnahme.
00:14:03: Das heißt wiederum, das um einen Versorgungsauftrag zu erlangen, mit dem ich mich da niederlassen kann, muss ich häufig auf ein bestehendes Kontingent, auf eine bestehende Praxis zurückgreifen.
00:14:17: Da vielleicht noch sozusagen die Ausnahme.
00:14:20: auch bei den Zahnärzten gibt es eine Bedarfsplanung, ja, aber die wird nicht gelebt.
00:14:25: Das heißt im Vergleich zu humanen Medizinern haben es Zahnärzte und deutlich leichter, weil die sich wiederum eigentlich dort niederlassen können, wo sie wollen.
00:14:37: Und demgegenüber dem recht komplizierten Vertragsarztrecht, so nennt man dieses Gebiet, das sich in rechtlicher Hinsicht mit dem Versorgungsauftrag beschäftigt, gibt es noch die Privatpraxen.
00:14:49: Das heißt, ich kann Privatversicherte Patienten behandeln oder aber auch gesetzlich versicherte unter der Bedingung, dass sie eben als Selbstzahler in die Praxis kommen.
00:14:59: Und das ist relativ einfach.
00:15:01: Man sucht sich geeignete Räume, dann hängt ein Praxisschild und sozusagen an die Tür und dann kann ich loslegen und eine Privatpraxis betreiben.
00:15:11: Marike, du hast ja jetzt, um darauf nochmal kurz zurückzukommen, dargestellt, dass es die Möglichkeiten gibt.
00:15:18: eine Einzelpraxis zu betreiben, also alleine oder auch in der Gemeinschaftspraxis mit anderen tätig zu werden.
00:15:25: Gibt es da eigentlich gewisse Vor- und Nachteile der jeweiligen Modelle oder Synergien?
00:15:32: Was gibt es dafür Vor- und Nachteile?
00:15:35: Ja, tatsächlich, ich kann berichten, als ich vor sehr langer Zeit mittlerweile angefangen habe, als Anwältin zu arbeiten, da hieß es gerade, die Einzelpraxis ist tot.
00:15:45: Eine Einzelpraxis gründet keiner mehr.
00:15:47: Unsere Erfahrungen sind ganz andere.
00:15:50: Tatsächlich ist es so, dass die Einzelpraxis immer mehr wieder en vogue ist, würde ich sagen.
00:15:58: Wobei wir schon merken, dass die Gemeinschaftspraxis aus vielen Gründen immer noch das ist, was wir empfehlen, wenn man sich wirklich gut versteht.
00:16:06: Das heißt, wenn man sich wirklich gut versteht, bedeutet ein Stück weit, dass man bereit ist, einander zu heiraten.
00:16:12: So wie wir das getan haben.
00:16:13: Also sinnbildlich, Robert.
00:16:15: Und das heißt, man muss sich schon gut abstimmen.
00:16:19: Das heißt aber auch, man haftet füreinander.
00:16:21: Das bedeutet aber auch, man kann alles miteinander besprechen.
00:16:24: Man kann sich gegenseitig vertreten.
00:16:27: Man hat ein stückweit ein gemeinsames Baby.
00:16:31: Und unsere Erfahrung mit den richtigen Partnern an der Seite ist die Gemeinschaftspraxis die bessere Variante.
00:16:40: Denn es ist nicht so, dass mit dem Umstand, dass man sich abstimmen muss, immer gleich auch der Verlust der Selbstbestimmung einhergeht.
00:16:50: Auch die Bürokratie, die administrativen Abläufe, kann man oftmals in der Gemeinschaftspraxis besser teilen.
00:16:57: Das hört man ja immer wieder.
00:16:59: Die KV und die KZV bringen zu einem großen, bürokrativen Aufwand mit sich.
00:17:05: Das können wir bedingt... abnicken und können dann sagen, oftmals ist es schön, sich so etwas zu zweit zu teilen.
00:17:12: Und dann kann man sich noch eine Frage stellen, ganz neben der Frage, welches Modell ist für mich richtig, nämlich, will ich eigentlich eine bestehende Praxis übernehmen oder ist es für mich vielleicht die bessere Variante neu zu gründen?
00:17:27: Immer dann, wenn ich nämlich eine Privatpraxis auf die Beine stellen möchte oder es ein Versorgungsauftrag, von dem du gerade sprachst, frei.
00:17:36: gibt.
00:17:36: Das heißt, wenn ich Zahnärztin bin, wenn ich ganz oft Hausärztin bin oder im ländlichen Bereich in der Grundversorgung tätig, dann bekomme ich mittlerweile eben eine Zulassung auch mal einfach so.
00:17:50: Und dann könnte ich darüber nachdenken, wäre nicht die Neugründung einer Praxis das Richtige für mich.
00:17:56: Wogegen ich, wenn ich eine Praxis übernehme, eben schauen muss, woher bekomme ich so eine Praxis?
00:18:01: Der klassische Fall ist immer... Ein Praxisinhaber gibt die Praxis ab aufgrund des Alters.
00:18:10: Und dann gibt es immer noch Fälle, die ich in Beratungsgesprächen scherzhaft benenne.
00:18:15: Jemand möchte doch lieber scharfe in Schottland hüten oder verliebt sich von Rostock an den Bodensee oder verstirbt.
00:18:24: Diese Varianten gibt es auch.
00:18:25: So bekommt man eine Praxis, die schon betrieben wird.
00:18:29: Und man muss abwägen, welche Variante ist für mich die richtige.
00:18:34: Für den Fall, dass es die Variante der Neugönung ist, können wir sagen, wir brauchen mehr Planungsaufwand, was die wirtschaftlichen Indikatoren angeht.
00:18:44: Das heißt, es muss ein Businessplan geben.
00:18:47: Man muss sich dort mehr mit der Bank und dem Steuerberater absprechen, denn und das sei all dem, was wir vorher gesagt haben, noch hinzugefügt.
00:18:55: Die Übernahme einer bestehenden Kassenpraxis ist eine ziemlich sichere Bank.
00:19:02: Wir gehen oder wir erleben in unseren Erfahrungen, dass immer dann, wenn eine bestehende Praxis übernommen wird oder man in eine Gemeinschaftspraxis, die schon betrieben wird, einsteigt.
00:19:12: Dann ist es so, dass die Zahlen, die dort erwirtschaftet werden, meist gehalten werden können, mal mit kleinen abschlägen.
00:19:20: Aber es ist so, dass wir sagen können, da gibt es wenig Risiko.
00:19:24: Wir alle wissen, Ärztinnen und Ärzte werden immer gesucht von den Patienten.
00:19:29: Das heißt, da ist es meist so.
00:19:30: Ich habe so sicher wie nie als Existenzgründerin oder Existenzgründer die Wahrscheinlichkeit, dass von Tag eins ich wirklich Geld verdiene.
00:19:38: Das gibt es nirgends woanders.
00:19:40: Und das ist natürlich schon ein ganz, ganz großer Unterschied zwischen der Übernahme einer bestehenden Praxis und der Neugründung.
00:19:46: Da muss ich mich richtig darum kümmern, fast wie eine Kaltakquise, eben Patientinnen und Patienten zu haben.
00:19:53: Vielen Dank, Marike.
00:19:55: Wenn wir jetzt so ein Stück weit Klarheit darüber gewonnen haben, wo die Reise eigentlich hingehen möchte.
00:20:02: Ich möchte mich niederlassen.
00:20:04: Ich habe mich dafür entschieden, weil das auch ein Stück weit Typfrage ist und auch, ich sag mal, so ein Stück weit Risiko, Affinität betrifft.
00:20:14: Möchte ich ihr in die Einzelpraxis gehen, bin ich eher der Einzelkämpf oder möchte ich etwas zusammen machen mit jemandem anders zusammen in eine Gemeinschaftspraxis, BRG.
00:20:24: Wenn ich so weit bin in der Planung, wie finde ich dann eigentlich meine Wunschpraxis?
00:20:28: Was gibt es denn dafür Möglichkeiten, um die Wunschpraxis zu finden?
00:20:33: Es gibt ganz verschiedene Suchstrategien.
00:20:36: Auch da ist es vielleicht so ein bisschen, wie du gerade sagtest, typabhängig.
00:20:40: Ganz klassisch kann man sich mit den sogenannten Praxisbörsen beschäftigen.
00:20:45: Die haben die kassenärztlichen Vereinigung, also die KVN und die KZVN, teilweise auch die Kammern.
00:20:52: die verschiedenen Banken.
00:20:55: Und dort werden Inserate geschaltet, eben von potentiellen Abgebern und Existenzgründern.
00:21:03: Da kann man schauen, ob irgendetwas matcht.
00:21:05: Und man kann einfach schauen, ist da vielleicht auch nur Praxis für mich dabei.
00:21:09: Dann gibt es eben so klassisch und ganz bekannt die Annoncen im Ärzteblatt, in den Ärzteblättern der Länder.
00:21:18: Auch da kann man einfach mal einen Blick reinwerfen und schauen, finde ich da die Praxis, die für mich wirklich geeignet ist.
00:21:25: Dann eine wirklich gute Empfehlung ist das Aktivieren des eigenen Netzwerkes.
00:21:33: Wir empfehlen, sprechen Sie mit Kolleginnen und Kollegen.
00:21:37: Wenn es Ihrer aktuellen Stellung nicht so sehr schadet, formulieren Sie, dass Sie Interesse haben an der Niederlassung.
00:21:45: Kommen Sie ins Gespräch, halten Sie Augen und Ohren offen und überprüfen Sie, Welche Praxen gibt es in der Umgebung, die vielleicht für mich in Frage kommen?
00:21:55: Wir haben Mandanten, die tatsächlich sich einen Termin geben lassen und dort einfach mal in die Sprechstunde gehen.
00:22:02: Könnte man vielleicht auch einen Termin nach der Sprechstunde machen, aber kommen sie ins Gespräch.
00:22:06: Und dann gibt es noch die andere Variante, nämlich für die, die sagen, ich möchte mich selbst nicht kümmern.
00:22:12: möglicherweise, weil ich meinen Namen noch nicht preisgeben möchte, oder weil mir die Zeit fehlt, ich beauftrage jemanden damit, der das professionell macht.
00:22:21: Das heißt, es gibt Praxismakler, Praxisvermittler, die sich genau auf diesen Tätigkeitsbereich konzentrieren, die sagen, wir suchen für unsere Kunden und Kunden die richtige Praxis.
00:22:33: Dann legt man die Parameter fest, die für einen selbst wichtig sind, indem... Man sagt, wo möchte ich tätig werden?
00:22:43: Was ist mir wichtig?
00:22:44: Ist es eine Gemeinschaftspraxis?
00:22:45: Ist es eine Einzelpraxis?
00:22:47: Solche Fragen stellt man sich.
00:22:49: Und dann gibt es einen echten Suchauftrag und die Praxisvermittler starten dann in die Suche nach der geeigneten Praxis.
00:22:57: Und diese Variante kommt genauso gut in Frage.
00:23:00: Und da noch ein Tipp unsererseits.
00:23:04: Bitte achten Sie darauf, wenn Sie jemanden mit der Suche der Praxis beauftragen, dass Sie nur dann zahlen, wenn auch Ihre Praxis gefunden wird, also im Erfolgsfalle.
00:23:15: Robert, gibt es denn aus Deiner Sicht Trends, wo man sich beispielsweise örtlich momentan am besten niederlässt?
00:23:23: Was machen unsere Mandanten und Mandanten?
00:23:25: Also tatsächlich lässt sich bei uns so ein gewisser Trend abzeichnen, der seit Corona anhält.
00:23:33: Vor Corona war es so, dass so jedenfalls unsere Wahrnehmung, die Menschen mehr in den urbanen Regionen und Städten leben wollten und zugleich sehr wohnortnah arbeiten wollen.
00:23:46: Mit Corona gab es so einen kleinen Umschwung, dass es die Menschen vielleicht privat auch eher aufs Land gezogen hat, möglicherweise wegen der Lebenskosten und der Freiheiten, die möglicherweise mit dem Leben auf dem Land so ein Stück weit verbunden sind und damit zugleich auch die Möglichkeit entdeckt haben.
00:24:07: oder die Wahrnehmung, die war, dass es insbesondere auf dem Land potenziell mehr Gelegenheiten gibt, eine entsprechende Praxis zu erwerben oder eine Praxis mit einzusteigen.
00:24:20: Das bestätigt sich dadurch so ein Stück weit, weil wir ja auch Kommunen anwaltlich vertreten.
00:24:26: Die Kommunen kommen auf uns zu und sagen, passt auf, wir haben ein relativ großes Problem.
00:24:31: Uns bricht die ärztliche Versorgung auf dem Land weg.
00:24:34: Wir haben viele, viele Patienten, die zu versorgen sind.
00:24:37: Wir haben aber nicht mehr ausreichend Ärzte, die auf dem Land die ärztliche Versorgung sicherstellen können.
00:24:43: Und das ist sozusagen eine Chance, die, glaube ich, derzeit von vielen wahrgenommen wird, dass man einfach schaut, dass ich gar nicht in den Urbarn Region und Städten eine Niederlassungsmöglichkeit finde, sondern vielleicht auch insbesondere auf dem Land sich eine günstige Gelegenheit ergibt.
00:25:04: Denn wenn man sich das mal so betrachtet, hat das ja vielleicht durchaus auch ein paar Vorteile.
00:25:10: Zum einen kann man sagen, okay, auf dem Land ist die Konkurrenz gar nicht so wahnsinnig groß, während die Konkurrenz der Wettbewerb in den Städten durchaus vorhanden ist, um die Patienten ist das auf dem Land eher nicht so der Fall.
00:25:27: Zum anderen könnte man sagen die Auffassung vertreten, dass die Personalkosten und auch die Raumkosten etwas niedriger liegen als bei einer vergleichbaren Praxis in der Stadt oder im urbanen Gebiet.
00:25:44: Was aber nicht, was keinen Unterschied macht, ist das Honorar, das Honorar jedenfalls im gesetzlich Darüber hat mir gesprochen mit GKV-Bereich.
00:25:54: Das ist immer identisch, egal ob ich die Leistung auf dem Land erbringe oder in der Stadt.
00:25:58: Ich kriege in der Regel das gleiche Honorar.
00:26:00: Dafür vielleicht verschiebt sich so ein bisschen der Privatpatientenanteil.
00:26:04: Aber das ist sicherlich ein Punkt, dass man, wenn man eine grobe Betrachtung vornehmen mag, dass man sagen kann, auf dem Land sind die Kosten zum Betrieb einer Praxis tendenziell eher geringer als in der Stadt.
00:26:18: Und die Honorare müssen dies nicht unbedingt sein.
00:26:21: Ja, aber muss ja auch sagen, das wirtschaftliche, das ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, gerade in Zeiten, in denen die mit dem Betrieb einer praxisverbundenen Kosten steigen.
00:26:32: Ja, aber es ist auch nicht alles.
00:26:35: Zahlen sind nicht alles.
00:26:37: Marajke Wiesen, da deine Wahrnehmung, gibt es auch noch andere Kriterien, die wichtig sind, wenn ich nach einer Wunschpraxis die Augen offen halte.
00:26:46: Oh ja, die gibt es.
00:26:48: Ich würde das mal unter den Oberbegriff der Soft Skills fassen.
00:26:52: Und ich würde sagen, vielleicht kennen sie das alle.
00:26:55: Man sucht nach einer Wohnung oder einem Haus und irgendwann kommt man in eines rein und sagt, ich spüre, das ist es.
00:27:03: Und unsere Wunschvorstellung wäre, dass sie das genauso bei ihrer eigenen Praxis haben.
00:27:09: Was meinen wir damit?
00:27:11: Manchmal, da stimmt einfach die Chemie.
00:27:14: Manchmal merkt man, Ich komme in Räumlichkeiten und auch wenn ich gleich nochmal durchstreichen muss und die Stühle im Wartezimmer abändern möchte, merke ich, dass es mit den Menschen passt.
00:27:26: Ich spüre, dass eine gute Atmosphäre ist, dass die Teamstruktur mir gefällt.
00:27:32: Und da sind wir übrigens an einem Punkt, den wir unbedingt noch kurz erwähnen möchten.
00:27:37: In der Vergangenheit war es oft so, dass die Frage war, was ist eigentlich mit dem Personal?
00:27:42: Und dann hat man in der Beratung gesagt, Das Personal einer Praxis, die sie kaufen, müssen sie übernehmen.
00:27:52: Dieser Umstand hat Gründe, die im Bürgerlichen Gesetzbuch im BGB verankert sind.
00:27:56: Man nennt das Betriebsübergang.
00:27:58: Wenn man einen Betrieb kauft, behält man alle Mitarbeitenden bei.
00:28:02: Und dann hieß es, die müssen sie übernehmen.
00:28:05: Wir sagen heute, die dürfen sie übernehmen.
00:28:08: Denn wenn sie ein gut funktionierendes Team haben, die... wissen, wie man mit den Patienten umgeht, die alle Abläufe kennen, die wissen, wie man die Abrechnung unterstützt.
00:28:19: Die wissen, wo man am besten die Küchenrolle günstig bestellt.
00:28:23: Und, und, und, dann ist das eine ganz, ganz sichere Bank und aus unserer Erfahrung einer der allerwichtigsten Faktoren, der zum Erfolg einer Praxis beiträgt.
00:28:35: Und natürlich kann man das Team verändern, man kann es aufstocken, Man kann es übrigens nur unter bestimmten Bedingungen gleich abändern, wenn man eine Praxis übernimmt.
00:28:49: Und man kann auch schauen, ist das Patientenklientel eigentlich das, was ich mir vorstelle.
00:28:54: Das hat viel am Ende mit dem Bauchgefühl zu tun.
00:28:57: Dafür, dass man so etwas abändert, bedarf es etwas Zeit.
00:29:00: Deswegen wünschen wir uns, dass Sie von Anfang an ein gutes Gefühl haben, wenn Sie in die Praxis kommen.
00:29:06: Und wir alle... Weder die Juristen noch die Mediziner lernen ja in ihrem Studium etwas, was wirklich mit der Unternehmensführung zu tun hat, nämlich Personalführung.
00:29:20: Wir können nur den Tipp geben, das ist etwas, auf das man durch einen Augenmerk legen darf.
00:29:26: Ich selbst habe, nachdem ich ungefähr drei Jahre selbstständig war, mich entschieden, einen Business-Coaching zu machen, um genau das zu lernen, nochmal Personalführung.
00:29:37: hatte mir eingebildet, dass ich das vielleicht aus dem Bauch heraus ganz gut kann, aber sicher ist man ja nicht.
00:29:42: Und ich kann nur sagen, es sind ganz, ganz wertvolle Impulse.
00:29:45: Und das empfehlen wir unseren Mandanten und Mandanten immer, wenn erst mal die erste Welle der Selbstständigkeit, alles organisatorisch und so weiter abgehebt ist, dann ist das ein Fokus, den man sich durchaus noch mal widmen sollte.
00:30:02: Robert, jetzt haben wir jetzt ziemlich viele Punkte, die mit der Suche der Praxis Einhergehen beleuchtet.
00:30:09: Wenn ich dich jetzt frage, wie viel Zeit soll ich denn für die Suche und den Vorlauf der Selbstständigkeit eigentlich einplanen?
00:30:17: Was würdest du mir empfehlen?
00:30:19: Die Frage nach dem zeitlichen Vorlauf, die führt häufig dazu, dass man, wenn man die Antworten gibt, in relativ große Augen bei den Mandanten schaut.
00:30:28: Denn das ist dem Umstand geschuldet, wenn man es bereits mit dem Vertragsarzt recht beschäftigt, dass allein die Übertragung eines Versorgungsauftrags ca.
00:30:41: eine Zeit von sechs bis neun Monate in Anspruch nimmt.
00:30:44: Das liegt daran, dass es ein gewisses festgelegtes Prozedere gibt, das durchlaufen werden muss.
00:30:50: Der Praxisinhaber muss in der Regel zunächst die Durchführung des Nachbesetzungsverfahrens betreiben, beantragen, wenn das erfolgreich verläuft wird, der Versorgungsauftrag ausgeschrieben.
00:31:04: Da gibt es gewisse Ausschreibungsfristen, der niederlassungswillige Existenzgründe muss man dann entsprechende Zulassungsanträge stellen.
00:31:12: und dieses ganze Prozedere, das nimmt wie gesagt so durchschnittlich einen zeitlichen Rahmen von sechs bis neun Monaten in Anspruch.
00:31:19: Bis ich da allerdings bin, das können wir immer nur empfehlen, hat man sich nicht nur eine Praxis angeschaut, für die man sich dann entschieden hat, sondern man hat sich ein zutreffendes Bild allgemein von der Versorgungslandschaft gemacht und hat sich mehrere Praxen angeschaut.
00:31:35: Und dann ist es ja häufig so, dass man nicht in die Praxis geht und sagt, okay, die möchte ich gern haben, wir sind uns handelseinig, sondern der Weg, eine Handelseinigkeit zu erziehen, der braucht auch nochmal Zeit.
00:31:46: Das heißt, Summa Summarum sagen wir, dass wenn sie in die Niederlassung gehen wollen, dass sie dies vorausschauend in einem zeitlichen Rahmen von ca.
00:31:56: eineinhalb bis zwei Jahren absolvieren können.
00:31:59: Aber die Zeit, die braucht man dann auch tatsächlich in der Regel.
00:32:02: Wenn wir jetzt, jetzt habe ich gerade schon gesagt, man muss und man sollte sich mit dem Praxisinhaber handelseinig sein.
00:32:08: Mareike, was muss ich denn berücksichtigen, wenn ich eine Praxis kaufen möchte oder mich in eine bestehende Gesellschaft einkaufen, möchte, was muss ich denn da aus rechtlicher Hinsicht eigentlich so berücksichtigen?
00:32:22: und gibt es gewisse Standards, wie diese Verträge die das dann alles festhalten sollen, ausgestaltet sind.
00:32:29: Ja, die gibt es.
00:32:31: Auch wenn die Praxisabgeber oftmals sagen, damals haben wir das noch mit Handschlag gemacht, das ist heute nicht mehr so üblich.
00:32:38: Und wir empfehlen nicht nur, weil das unser Beruf ist, sondern weil wir es wirklich für sehr sinnvoll halten, alle Verträge.
00:32:47: schriftlich festzuhalten.
00:32:48: Ein Teil davon benötigen wir auch schriftlich, weil je nach Zulassungsbezirk in Deutschland die Gesellschaftsverträge und auch die Praxisübernahmeverträge dem Zulassungsausschuss vorgelegt werden müssen oder jedenfalls Auszüge davon bzw.
00:33:04: es muss bestätigt werden, dass möglicherweise ein Kaufvertrag zustande gekommen ist.
00:33:09: Aber der Reihe nach.
00:33:11: Wir hatten zu Anfang schon gesagt, es gibt die Möglichkeit, eine Praxis zu übernehmen, eine Einzelpraxis oder sich in eine Gemeinschaftspraxis einzukaufen.
00:33:21: In beiden Fällen kauft man etwas, entweder die Praxis oder einen Gesellschaftsanteil.
00:33:28: Das müssen wir aber irgendwie im Vertrag genauer definieren.
00:33:31: Und eine Sache ist ganz wichtig, nirgendswo darf stehen, ich kaufe eine Zulassung.
00:33:38: Denn, du hattest das vorhin schon skizziert, Robert, die Zulassung erhält die Ärztin, erhält der Arzt vom Zulassungsausschuss bei der Kassenärztlichen oder Kassenzahnärztlichen Vereinigung.
00:33:49: Die kann man nicht kaufen.
00:33:50: Das können Sie sich ein bisschen so vorstellen wie bei einem Führerschein oder einem Jagdschein.
00:33:55: Den kann man auch nicht kaufen oder man kann den schon kaufen, aber damit kann man nichts anfangen.
00:34:01: Wenn in einem Kaufvertrag steht, ich kaufe die Zulassung, führt das juristisch zur Nichtigkeit.
00:34:06: Das heißt, der Vertrag ist nicht wirksam, man könnte ihn also sich gleich sparen.
00:34:12: Was kaufe ich denn?
00:34:13: Ich kaufe einen immateriellen Teil und einen materiellen Teil.
00:34:18: Und das Materielle ist ganz einfach das, was ich anfassen kann.
00:34:22: Tisch, Stuhl, Sonografiegerät, alles das, was man sich vorstellen kann.
00:34:27: In der Kinderarztpraxis, die Murmelbahn, all das, was normalerweise so in einer Praxis zu finden ist.
00:34:35: Und das Immatrielle, das ist das, was man unter Goodwill kennt.
00:34:39: Der Ruf, die Lage der Praxis, die Patienten, also die Patientenkartei unter Berücksichtigung des geltenden Datenschutzrechts, die Kooperation mit anderen Kollegen, das übernehme ich.
00:34:52: Und das beides zusammen macht meinen Praxiskauf aus.
00:34:58: Das ist das, was ich übernehme.
00:35:00: Und das muss ich in meinem Kaufvertrag abbilden.
00:35:03: Das muss ich auch abbilden, wenn ich in eine Gesellschaft einsteige.
00:35:07: Da ist dann immer die Frage, bleibt derjenige, von dem ich kaufe, noch in der Gesellschaft und gibt nur ein bisschen ab oder übernehme ich einen ganzen Anteil von einem ausscheidenden Gesellschafter.
00:35:19: Und wenn wir dann auf das Thema Gesellschaft zu sprechen kommen, regele ja dann, wie ich mit meinen zukünftigen Gesellschaften zusammen arbeite, das ist für uns das... Herzstück, das Kernstück unserer Tätigkeit, das, was uns Juristen im Medizinrecht ganz viel Spaß macht.
00:35:36: Vielleicht verallgemein ich auch zu sehr, was mir ganz besonders viel Spaß macht, der Gesellschaftsvertrag, die Erstellung eines Gesellschaftsvertrages.
00:35:45: Das ist wirklich, man arbeitet da zusammen, ein Konzept trifft sich bespricht.
00:35:50: Wie möchten wir wirklich zusammenarbeiten?
00:35:52: Was ist das, was uns antreibt?
00:35:53: Was ist das, was uns bewegt?
00:35:56: Was ist unser Wofür?
00:35:57: Warum gehen wir da hin?
00:35:58: Und dann auch die Frage, wie verteilen wir unser Geld?
00:36:01: Wie viel gehört man in der Praxis?
00:36:02: Was passiert, wenn einer von uns ausscheidet?
00:36:04: Diese Fragen muss man sich stellen.
00:36:07: Und dann gibt es noch einen weiteren Vertrag, der ganz wichtig ist.
00:36:12: Insbesondere dann, wenn man eine einzelne Praxis übernimmt oder neu gründet, und zwar der Mietvertrag.
00:36:19: Denn das kann man sich vielleicht vorstellen.
00:36:22: das Geld von der Bank, auf das wir gleich noch zu sprechen kommen, dass wir ja benötigen, im Normalfall, um eine Existenzgründung vornehmen zu können.
00:36:30: Das bekommen wir nur dann.
00:36:32: Wenn die Bank auch sieht, da ist ein langfristiger Mietvertrag und ich kann nicht schon nach einem Jahr einfach wieder aus den Räumen rausgeschmissen werden, denn wenn ich erstmal in so Räume investiere oder Ich sage jetzt mal, zweihundertfünfzigtausend Euro für eine Praxisbezahle, aber nicht sicher bin, dass ich da langfristig praktizieren kann, dann wird mir wohl niemand einen Kredit geben.
00:36:51: Das heißt, der Mietvertrag ist ein Punkt, der in unserer Erfahrung zu wenig Augenmerk bekommt.
00:36:59: Denn auch da ein bisschen plaudern aus dem Nähkästchen, die Verhandlungen mit den Vermietern sind manchmal nicht ganz so einfach, wie wir uns das wünschen würden.
00:37:11: Obwohl Ärztinnen und Ärzte und Zahnärztinnen und Zahnärztinnen noch immer mit die beliebtesten Mieter sind, die man sich wünschen kann, weil die ja eben ein sicheres Einkommen haben.
00:37:23: Das hatten wir ja vorhin schon skizziert.
00:37:25: Das heißt, wir brauchen also entweder den Kaufvertrag oder den Anteilskaufvertrag, wenn ich in die Gesellschaft einsteige.
00:37:32: Für den Fall brauche ich dann auch den Gesellschaftsvertrag, der die Mitarbeit mit meinen Partnern regelt.
00:37:37: Und wir müssen gucken, wie ist das mit dem Mietvertrag?
00:37:40: jedenfalls, wenn ich eine Einzelpraxis habe, bei der Gemeinschaftspraxis auch kommen wir vielleicht noch später drauf.
00:37:46: Robert, wenn ich jetzt so eine Praxis übernehme, haben wir so klassische Regeln, die in all diesen Verträgen auf jeden Fall abgebildet sein sollten?
00:37:56: Das kann man schon sagen.
00:37:57: Also du hast es ja angesprochen, auch gerade das Thema Bank, so eine Praxis, Bedeutet zugleich dass man in der Regel einen gewissen Geldbetrag in die Hand nehmen muss also dass der Käufer einer Praxis dem Verkäufer einen Kaufpreis in einer gewissen Höhe schuldet.
00:38:12: Und diesen Kaufpreis bin ich natürlich nur.
00:38:15: bereit zu zahlen, wenn tatsächlich auch die Praxisübernahme klappt.
00:38:18: Und das macht das Medizinrecht, finde ich immer so ein bisschen spannend, weil so mehrere Rechtsgebiete einfach ineinander greifen und miteinander verwoben sind.
00:38:25: Jetzt haben wir schon mehrfach das Vertragsarztrecht gehört und auch den Begriff des Zulassungsausschusses.
00:38:31: Du hast ja gesagt, der Zulassungsausschuss ist derjenige, der entscheidet, ob ich den Versorgungsauftrag, also den Kassensitz, bekomme oder nicht.
00:38:38: Und das ist tatsächlich so.
00:38:40: Und es kann die Situation auftauchen.
00:38:43: dass ein Versorgungsauftrag ausgeschrieben wird, ausgeschrieben ist.
00:38:46: Ich bewerbe mich hierauf.
00:38:47: Ich bin aber nicht der einzige Bewerber.
00:38:50: Es gibt neben mir vielleicht ein oder noch andere Bewerber und den Sitz kann ich natürlich nur einmal vergeben.
00:38:57: Der Zulassungsausschuss kann ihn nur einmal vergeben.
00:39:00: Wir empfehlen aber, bevor wir in so eine Zulassungsausschusssitzung hineingehen, dass wir wissen, wenn wir den Sitz bekommen, welchen Kaufpreis muss ich zahlen.
00:39:10: Aber es kann eben auch die Situation eintreten, dass ich einen Kaufvertrag geschlossen habe.
00:39:15: Ich bekomme aber tatsächlich den Versorgungsauftrag nicht.
00:39:18: Das bedeutet wiederum, ich brauche eine gewisse Absicherung.
00:39:22: Das heißt, ich schließ zwar einen Vertrag, indem ich mich verpflichte, einen gewissen Kaufpreis zu zahlen, aber den möchte ich natürlich nur dann zahlen, wenn ich auch den Zuschlag vom Zulassungsausschuss bekomme und damit mich erfolgreich niederlassen kann.
00:39:37: Und das wird in der Regel mit einer sogenannten aufschiebenden Bedingung bewerkstelligt.
00:39:45: Die aufschiebende Bedingung heißt, ich schließe einen Vertrag, der wird aber nur dann scharf geschaltet und vollzogen, wenn ich tatsächlich derjenige bin, der die Praxis bekommt.
00:39:56: Das vielleicht am Rande auch, weil du das Thema Mietvertrag angesprochen hast.
00:40:01: Das gleiche.
00:40:02: wenn ich jetzt in der Situation bin und sage, ich möchte mich niederlassen, ich möchte mich mit jemandem zusammen niederlassen oder alleine jedenfalls in neuen Räumlichkeiten.
00:40:10: Und man weiß ja gar nicht, ob ich den Zuschlag beim Zulassungsausschuss bekomme.
00:40:14: Auch da sozusagen empfehlen wir, wenn ich einen Mietvertrag neu abschließe, dass auch der unter der aufschiebenen Bedingung steht, dass ich in diesen Räumlichkeiten meine Praxis betreiben kann bzw.
00:40:26: den Zuschlag vom Zulassungsausschuss bekomme, die Praxis dort.
00:40:30: betreiben zu dürfen.
00:40:33: Was auch so eine klassische Regelung ist, über die man sich Gedanken machen sollte, ist der Umstand, dass sich die Praxis hier in der Regel von jemandem erwerbe, der bereits ärztlich tätig war und wahrscheinlich auch relativ erfolgreich ärztlich tätig war und der in der Regel nur aus Altersgründen seine Praxis abgeben möchte.
00:40:52: Und es besteht, ich will nicht sagen grundsätzlich so eine Gefahr, das stimmt nicht, aber Einfach, um sich rechtlich abzusichern, ist es sinnvoll, auch ein sogenanntes Wettbewerbsverbot zu vereinbaren.
00:41:06: Denn man mag sich die Situation vorstellen, man hat seine Wunschpraxis gefunden, man ist mit demjenigen Handels einig und man hat dann auch grünes Licht vom Zulassungsausschuss bekommen.
00:41:16: Man kann die Praxis als Existenzgründe in den bisherigen Räumlichkeiten des Praxisabgebers weiter betreiben.
00:41:24: Und auf einmal wird dem Praxisabgeber so ein Stück weit langweilig.
00:41:27: Der hat ja, ist ja gewohnt, viel in seiner Praxis gestanden zu haben.
00:41:30: Er hat auf einmal festgestellt, er hat gar nicht so viele Hobbys wie er zunächst dachte.
00:41:35: Und möchte dann, weil es ja bislang die letzten Jahre auch ganz gut lief, in unmittelbarer Nähe vielleicht keine GKV-Praxis, haben wir gehört, ist ein bisschen umständlich, aber vielleicht doch eine Privatpraxis weiter betreiben.
00:41:47: Auf niedrigen Level, aber vorstellbar ist das.
00:41:50: Und damit dieser Fall nicht eintritt, ist es... unseres Erachtens wichtig, zumindestens darüber nachzudenken, ob man einen Wettbewerbsverbot im Praxis-Kaufvertrag vereinbart.
00:42:02: Und was sicherlich auch noch ein wichtiger Aspekt ist, ist einfach der Punkt, dass man gewisse Haftungsregelungen im Kaufvertrag vorsieht.
00:42:12: Denn man mag sich einfach den Fall vorstellen, dass ich eine Praxis erwerbe und bis dahin ist auch alles gut gelaufen.
00:42:22: Beim ehemaligen Praxisinhaber und es mag so kommen, wie es kommen musste.
00:42:28: Der Praxisinhaber überträgt seine Praxis und auf einmal melden sich beim neuen Praxisinhaber die ersten Patienten und sagen Moment, da ist doch was schief gelaufen.
00:42:36: Ich mache potenziell Ansprüche geltend.
00:42:38: Und damit da einfach klar geregelt ist, dass der Existenzgründer das Risiko, jedenfalls soweit es rechtlich zulässig ist, nicht für die Behandlungen der Vergangenheit des Praxisabgebers trägt.
00:42:51: Ist es dringend zu empfehlen, auch Haftungsklauseln in so einen Vertrag mit aufzunehmen?
00:42:57: Genau, ich glaube, damit hast du alle wichtigen Regelungen, die immer zu berücksichtigen sind, schon erfasst.
00:43:06: Worum wir uns noch kümmern müssen ist, insbesondere dann, wenn ich eine Einzelpraxis übernehme, was ist eigentlich mit den Verträgen, die mein Vorgänger geführt hat?
00:43:17: Denn alle Verträge... die man so abgeschlossen hat.
00:43:21: Damit meine ich den Mietvertrag, den Telefonvertrag, den Zeitschriftenzirkel aus dem Wartezimmer, Leasingverträge, die gehen nicht automatisch auf mich über, nur weil ich eine Praxis übernehme.
00:43:34: Das sind zweiseitige Verträge und dafür, dass ich in einen solchen Vertrag... einsteigen muss, muss ich mich kümmern.
00:43:40: Das heißt, wir nehmen in den Kaufvertrag Verpflichtungen auf, dass sich Erwerber und Abgeber gemeinsam bemühen, dass diese Verträge auf den Erwerber übergehen können und sagen dann auch genau, wie das passiert.
00:43:53: Wichtig ist es insbesondere bei dem Mietvertrag, darüber sprachen wir schon, möglicherweise muss auch ein neuer Mietvertrag abgesprochen werden, aber um den Mietvertrag müssen wir uns kümmern.
00:44:04: Wichtig ist, dass die Telefonnummer und bei Ärzten muss man auch sagen die Faxnummer auf jeden Fall noch weitergeführt werden.
00:44:12: Das heißt, ich muss weiter unter den gleichen Kontaktdaten erreichbar sein.
00:44:16: Und es wäre schon auch gut, wenn erst mal die Praxissoftware noch fortgeführt werden könnte.
00:44:22: Da geht es vor allem um Schnittstellen und die Lesbarkeit der übernommenen Patientenkartei.
00:44:30: Was in jedem Falle übergeht, Dazu hat ich vorhin schon kurz etwas gesagt, sind die Arbeitsverträge der Mitarbeitenden.
00:44:37: Die Konditionen, die der Abgeber mit den Mitarbeitenden abgeschlossen hat, die bleiben gleich.
00:44:43: Ich darf die zwar verbessern, aber nicht verschlechter.
00:44:47: Und was außerdem auch noch automatisch übergeht, sind die praxisbezogenen Versicherungen.
00:44:53: Da gibt es allerdings einen Sonderkündigungsrecht.
00:44:57: Sehr viel einfacher ist das Ganze bei der Gemeinschaftspraxis.
00:45:00: Warum?
00:45:01: Dort sind die Verträge mit der Gesellschaft abgeschlossen.
00:45:06: Und weil ich ja in die Gesellschaft einsteige und dort im Normalfall eine Person ersetze, gehen dann die Verträge auch automatisch quasi auf mich über, weil sie auf die Gesellschaft laufen und gar nicht auf mich.
00:45:18: Das heißt, da ist der Vertrag an dieser Stelle etwas einfacher, der Gesellschaftsvertrag.
00:45:24: Als der Kaufvertrag, da müssen wir ganz klar auflisten, welche Verträge gibt es und welche von denen möchte ich übernehmen.
00:45:32: Robert, jetzt bist du ja notar.
00:45:34: Haben wir denn auch irgendwas, was in notarieller Hinsicht vielleicht noch zu berücksichtigen ist, wenn ich so eine Praxis kaufe?
00:45:41: Tatsächlich.
00:45:41: Du hast zuletzt jetzt angesprochen, wenn ich in eine BAG einsteige, übernehme ich sämtliche Verträge.
00:45:48: Damit einhergehend ist es auch so, dass das eigene Vermögen ein Stück weit wächst, nämlich um den Gesellschaftsanteil der Gemeinschaftspraxis, der BAG.
00:46:01: Die meisten Menschen sind, wenn man sich das vor Augen hält, in Deutschland im Güterstand der sogenannten Zugewindgemeinschaft miteinander verheiratet.
00:46:10: Und hoffentlich geht das alles gut, dann ist die Welt auch in Ordnung.
00:46:13: Wenn es leider doch mal nicht gut gehen sollte, kann es sein, dass man einem sogenannten Zugewindausgleich als Arzt ausgesetzt ist.
00:46:21: Und da kann sozusagen der Ehepartner für den Anteil, den er weniger verdient hat, im Zeitraum der Ehe Zugriff auf das Vermögen des Ehegatten oder des ehemaligen Ehegatten nehmen und dazu kann natürlich auch der Praxisanteil gehören.
00:46:39: Und um das auszuschließen zum Schutze der Gesellschaft sehen manche oder viele Gesellschaftsverträge vor, dass man eine Modifizierung auch im Hinblick auf den ehrlichen Güterstand vornimmt und das wiederum bedarf der Teilnahme oder der Beokundung bei einem Notar.
00:46:58: Das ist ein Punkt, wo sozusagen dein Notar ins Spiel kommt.
00:47:03: Ein anderer Punkt ist der.
00:47:05: Du hast es angedeutet, dazu werden sich die Kollegen in der nächsten Folge beschäftigen mit dem Punkt MVZ.
00:47:11: Ein MVZ, da will ich jetzt gar nicht vorweggreifen, wird aber in der Regel in Form einer juristischen Person, insbesondere der GmbH, als Trägergesellschaft betrieben.
00:47:24: Und um Gesellschafter.
00:47:26: einer GmbH zu sein, bedarf es schlicht und ergreifend, dass sie das Gesetz so vor der Mitwirkung eines Notars.
00:47:31: Also durchaus auch im Medizinrecht gibt es einige Schnittpunkte zum Notariat.
00:47:37: Aber vielleicht nochmal kurz zurück, Kehrend-Marike, zum Thema Kaufen-Abtretungsvertrag oder Kaufvertrag.
00:47:45: Wenn ich die richtige Praxis gefunden habe, was darf so eine Praxis eigentlich kosten?
00:47:50: Ja, wir sagen immer, der richtige Preis ist der, der am Ende im Vertrag steht.
00:47:54: Da machen wir es uns natürlich sehr einfach.
00:47:57: Es gibt ganz viele verschiedene Bewertungsmethoden.
00:48:01: Und es gibt auch immer wieder den Fall, dass Mandanten und Mandanten sagen, wir würden gerne eine Praxisbewertung vornehmen.
00:48:08: Ob das immer so die ganz kluge Entscheidung ist, möchte ich mal dahin gestellt lassen.
00:48:14: Wir bekommen oftmals gemeinsam mit ihrem Steuerberater und dem Banker den Kaufpreis auch so eroiert, ohne dass es eine für gewöhnlich teure Praxisbewertung bedarf.
00:48:28: Gleichwohl, ich möchte auf deine Frage antworten, wie bewertet man grundsätzlich eine Praxis?
00:48:33: Also man schaut nach Bewertungsmethoden, wie das haben viele sicher schon gehört, das modifizierte Ertragswertverfahren und die Ärztekammermethode neu.
00:48:42: Da schaut man am Ende, wie viel Umsatz macht die Praxis.
00:48:48: Wie viel Kosten hat die Praxis?
00:48:50: Wie viel von dem wird der Übernehmer am Ende auch realisieren können?
00:48:55: Und dann setzt man das mit verschiedenen Faktoren miteinander ins Verhältnis.
00:48:59: Das ist am Ende jeweils eine Formel, die man berechnen kann.
00:49:05: Es gibt aber auch Faustformeln, die sämtliche Berater anwenden.
00:49:09: Und man kann oftmals sagen, dass für die Übernahme einer Einzelpraxis ungefähr ein Jahresgewinn anzusetzen ist, der Null, achtfache bis eins, zweifache Jahresgewinn.
00:49:24: Und dann schaut man noch, was für ein materieller Wert, also für einen Substanzwert in der Praxis ist.
00:49:31: Das heißt, was haben die hat das Anlagevermögen noch für einen Wert und dann ergibt sich ein Kaufpreis.
00:49:38: Es ist oft schwer vorstellbar und da werden sie vielleicht auch denken, wie kann Frau Bechler jetzt sagen, es kommt auf fünftausend Euro nicht an.
00:49:47: Aber wenn man in die Existenzgründung einsteigt, dann sagen wir, wenn wir nur noch über fünf bis zehntausend Euro diskutieren, dann zahlen sie die vielleicht einfach des lieben Friedens willen.
00:50:00: Wir können haben zusammen mit unserem Netzwerk einen sehr großen Erfahrungsschatz, was eine solche, was eine Praxis kosten darf.
00:50:08: Und.
00:50:09: Erfahrungsgemäß ist es so, dass wenn Sie den Anteil einer Gemeinschaftspraxis übernehmen, der Kaufpreis etwas steigt, weil auch die Gewinne meist etwas steigen.
00:50:19: Und es ist immer noch so, dass wenn Sie sich eine Praxis im nennlichen Gebiet aussuchen, dass da die Kaufpreise eher niedriger sind als im urbanen Gebiet.
00:50:31: Wenn ich die Praxis gefunden habe und ich anfange, über den Kaufpreis zu sprechen, dann ist eine gute Instanz, auch immer die Bank, die mich finanzierende Bank, die den Übernahmepreis finanziert.
00:50:48: Wir bekommen oft die Frage gestellt, ist es denn sinnvoll, das zu finanzieren, auch wenn ich es vielleicht auf der hohen Kante habe?
00:50:56: Die Antwort ist ja, das ist sinnvoll, denn die Zinsen, die sie zahlen für ihr Darlehen sind, gute Zinsen, die sie wiederum steuerlich absetzen können.
00:51:11: Das heißt, grundsätzlich ist es sinnvoll, die den Einstieg in eine Praxis oder die Selbstständigkeit über eine Bank zu finanzieren.
00:51:20: Und es gibt Banken, die sich auf Heilberufler spezialisiert haben.
00:51:25: Bitte achten Sie darauf, dass Sie da jemanden haben, der weiß, was er tut, der sich mit der Materie auskennt.
00:51:31: Und wenn Sie den richtigen Berater im rechtsanwaltlichen oder steuerlichen Bereich haben, dann werden sie sich auch auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen können.
00:51:41: Jetzt habe ich gerade schon ganz kurz den Steuerberater angesprochen, Robert.
00:51:45: Komme ich da irgendwie drumherum, kann ich die Steuer noch selbst machen?
00:51:47: Wozu brauche ich einen Steuerberater, wenn ich mich selbstständig mache?
00:51:50: Ich befürchte, man kommt nicht so richtig drumherum.
00:51:54: Das hat aber auch einen guten Grund.
00:51:56: So ein Steuerberater ist wichtig.
00:51:58: Denn wenn man sich vor Augen hält, dass die meisten Existenzgründer aus einem bestehenden Anstellungsverhältnis oder vielleicht sogar auch erst direkt aus der Verrats-Weiterbildung kommen, es ist ja so, bislang hatte man in diesem Status eher selten mit den Begriffen Umsatz, Abschreibung, Steuern, Selbstversichern, Gewinn zu tun.
00:52:22: Und einfach, um da auch, ich sag mal so eine Art Sparringspartner zu erhalten, wie ich erfolgreich eine Praxis etablieren kann, ist es wichtig, einen Steuerberater zu haben.
00:52:33: Es gibt gewisse Dinge, die muss man zu gewissen Zeiten steuerlich erfüllen.
00:52:39: Und damit man da nicht auf sich allein gestellt ist, ist es nur dringend zu empfehlen, einen Steuerberater zu haben.
00:52:45: Auch bei der Frage wird es angesprochen, Personal ist besonders wichtig, dass man sich da nicht den Unfrieden direkt zu Beginn der Niederlassung ins Boot holt.
00:52:56: Es müssen Löhne gemacht werden.
00:52:58: Das macht beispielsweise auch der Steuerberater.
00:53:02: Die Banken hast du auch so eben ins Spiel gebracht.
00:53:05: Die wollen in der Regel, dass eine Businessplanung oder eine Liquiditätsplanung vorgelegt wird.
00:53:10: All dabei kann der Steuerberater unterstützen.
00:53:14: Maike, wir müssen so langsam zum Ende kommen.
00:53:17: Vielleicht lassen die Gelegenheit dann doch noch mal jedenfalls kurz nutzen, uns vorzustellen.
00:53:24: Also wir beide sind Gesellschaften, in der deutschandweit tätigen Medizinrechtskanzlei, HFWP, Rechtsanwälte und Notare.
00:53:32: Wir haben knapp dreißig Berufsträger, die weit überwiegend im Medizinrecht und ausschließlich im Medizinrecht tätig sind.
00:53:41: Die Kanzlei gibt es seit ... über zwanzig Jahren.
00:53:45: Du bist heute zugeschaltet aus Hannover.
00:53:47: Kannst du vielleicht da nochmal kurz was zu unseren Standorten erzählen?
00:53:51: Na klar, wir haben sechs Standorte.
00:53:53: Robert, du bist in Gießen tätig.
00:53:55: Das ist unsere Keimzelle, also der Ort, wo alles begann.
00:53:59: Und auch unser größter Standort.
00:54:01: Und wir haben außerdem Standorte in Frankfurt, Hannover, Berlin, Dortmund und Mannheim.
00:54:08: Robert, du bist ja notar.
00:54:10: Machen wir Außer Medizinrecht eigentlich noch was anderes?
00:54:14: Tatsächlich beschäftigen wir uns weit überwiegend mit dem Medizinrecht.
00:54:17: Wir haben viele Rechtsanwälte, die insbesondere Fahranwälte für Medizinrecht sind.
00:54:23: Wir haben aber auch Fahranwälte für Arbeitsrecht, für Verwaltungsrecht.
00:54:27: Also all das, womit sich der Arzt in der Zeit, in der er sich in der Niederlassung befindet, auseinander setzen möchte oder auch auseinanderzusetzen hat.
00:54:38: Wir beraten daneben natürlich auch Krankenhäuser.
00:54:41: und medizinische Versorgungszentren.
00:54:43: Und da kann es natürlich auch immer mal vorkommen, dass ein Notar gebraucht wird.
00:54:47: Auch die stehen zur Verfügung.
00:54:49: Wir haben es bereits angedeutet, wenn es um die Gestaltung von Eheverträgen geht.
00:54:54: Wenn es um die Gründung von Gesellschaften geht, die beispielsweise medizinische Einrichtungen betreiben wollen.
00:55:01: Dafür ist ein Notar zuständig.
00:55:03: Das macht ein Notar in der Regel nicht mit der Spezialisierung im Medizinrecht.
00:55:08: Wir schon, deswegen halten wir entsprechende.
00:55:11: Notare vor.
00:55:13: Vielleicht noch einmal zum Schluss so ein Stück weit weg vom fachlichen Mareike.
00:55:17: Und das ist sicherlich auch ein Punkt, den wir den niederlassungswilligen Ärzten mit auf den Weg geben möchten.
00:55:25: Warum machen wir das eigentlich alles überhaupt?
00:55:27: Ja, wie so oft bei Kooperationen ist es auch bei uns so, dass tatsächlich nicht der monetäre Aspekt im Vordergrund steht.
00:55:38: Wer von unseren Hörern mal einen Blick auf unser Podcast Cover wirft, sieht, dass unter dem Titelsprechstunde Medizinrecht der Podcast von HFBP drei weitere Worte stehen, quasi ein kleiner Slogan.
00:55:53: Gemeinsam alles erreichen.
00:55:55: Und tatsächlich ist das so ein bisschen unser Antrieb.
00:55:59: Wir, die Partner von HFBP, gemeinsam mit unserem gesamten Team, arbeiten richtig gern miteinander und ... Ich kann selbst aus meiner Erfahrung sagen, der Umstand mit den Menschen zusammenzuarbeiten, die einem das Herz erwärmen, einen manchmal zu Weißglut treiben, aber mit dem man am gleichen Strang ziehen mag, die die gleiche Denkweise haben, die gleiche Begeisterung für das, was man tut.
00:56:25: Das macht jeden Arbeitstag schöner und auch solche Arbeitstage, die mal nicht so schön sind, die es ja auch bei uns allen gibt, erträglicher.
00:56:35: Und deswegen... sind wir beide, Robert und ich, große Fans von der Gemeinschaftspraxis, also von der Arbeit, gemeinsam.
00:56:46: Robert, was erwartet uns in der nächsten Folge?
00:56:49: Nächste
00:56:49: Folge, wir haben Sie angeteasert, ganz spannend.
00:56:53: Unsere beiden Gründungsgesellschaften, der HFPP Rechtsanwalt und Notare, die Frau Dr.
00:56:58: Karin Haane und der Dr.
00:57:00: Oliver Bechtler, werden Sie auf den aktuellen Stand zum Thema MVZ, insbesondere der MVZ-Mythen bringen.
00:57:09: Wir freuen uns sehr.
00:57:11: Und dir, liebe Marike, danke ich, dass du den Podcast mit mir zusammengestaltet hast und wünschst dir erstmal alles Gute.
00:57:18: Danke dir, Robert, und Ihnen vielen Dank fürs Zuhören.
00:57:21: Bis bald.
00:57:23: Das war's für heute mit der Sprechstunde Medizinrecht, dem Podcast von HFBP.
00:57:28: Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, abonnieren Sie uns gerne und erzählen Sie weiter, dass Recht im Gesundheitswesen auch verständlich sein kann.
00:57:37: Alle Infos, Kontakte und weitere Folgen finden Sie auf hfbp.de.
00:57:43: Bis bald und bleiben Sie rechtlich gut beraten.
Neuer Kommentar